Unser Plan war von vornherein gewesen, per Boot nach Phnom Pen zu fahren und auch das Mekong-Delta zu erkunden. Da es auch so praktisch viele Touri-Infos (oder besser ausgedrückt: Büros von Reisegesellschaften) gab, konnten wir uns die optimale Tour für den Optimalen Preis heraussuchen. Blöderweise waren, wie wir nach dem Besuch von 3 unterschiedlichen Büros feststellten, alle Preise und Touren exakt dieselben. Daher buchten wir (wie jeder andere zwangsläufig auch) eine 3-Tages-Tour Saigon-Phnom Pen, inklusive Besuch auf einer Krokodilfarm, einer Fischfarm, eine Mangroventour bei der anschließend von glücklichen typisch vietnamesischen Kindern typisch vietnamesische Musik gespielt wird, Bustransfers, 2 Übernachtungen, 1 Lunch und tatsächlich auch eine mehrstündige Bootsfahrt. Yeeha.
So starteten wir dann nach einer etwas längeren Nacht...

...um 7uhr morgens in Saigon, bezahlten noch schnell unsere hervorragende Pension, bekamen unsere Pässe wieder und fielen in den Bus. Wie auf Klassenfahrten freuten wir uns tierisch, die ganze Rückbank für uns zu haben, obwohl die Schlaglöcher da noch heftiger zu spüren waren. Und eine Klimaanlage suchte man auch vergebens. Eine Schrottmühle. Diese fuhr uns 2std in Richtung Mekong, wo wir auf eine Art Pumpboat steigen. Wir waren: 3 ältere weiße Herren mit junger vietnamesischer Frau, 1 französisches Ehepaar, mindestens 1 deutsches Ehepaar, 2 Polen und wir vier, die den Altersschnitt dramatisch senkten.

Die farce dieses Mekongtrips: Man wurde mit dem Boot in je 10min von langweiliger Fischfarm zu langweiliger Krokodilfarm gebracht und die größeren Strecken wurden per Bus zurückgelegt. Vor, nach und während der Stops gab es permanent Souvenirstände und allerlei kitschige Krokodilledermode. Was uns rettete war die noch anhaltende Trunkenheit und eine Hängematte, die am Heck des Pumpboats befestigt wurde.

Das und eine Nachmittägliche Fahrradtour auf einer der INseln im Mekongdelta ließen den Tag doch sehr gelungen erscheinen.

Doch abends dann der Supergau:
Der Bus brachte uns in eine 2Millionen-Stadt, Cantho, mitten im Mekong-Delta. Mit wunderschöner Promenade und leckerer Pizza (echter Käse!!! Hier gibts nur analog...) war sie uns gleich symphatisch.

Wir gönnten uns einen herrlichen Kaffee auf einem Rooftop nahe des FLusses, alles schien perfekt.

Doch als wir dann abends aber in unser Hotel einchecken wollten konnte Stephan seinen Pass nirgends finden. Für das Hotel kein Problem, aber was hieß das für uns? Ohne Pass kein Visum, keine AUfenthaltsgenemigung, keine Weiterreise nach Kambodscha, kein Philippinenvisum! Das bedeutete Stress ohne Ende. Doch auch nach mehrmaligem checken all unserer Gepäckstücke war der Pass nichtmehr aufzufinden. Auch der Reiseleiter ließ Bus und Boot checken, nirgends war der Pass. Ob er etwa auf der Fahrradtour aus stephans Tasche gefallen sein könnte? Zumindest hieß das für uns: Tour abbrechen. Das zumindest war nicht so schlimm, wir hatten genug Souvenirstände und Busfahrten hinter uns. Björn und Ich wollten Das mit dem DED wegen Philippinen-Visum klären und Stephan würde mit Alex Ohm zur Polizei gehen um seinen Pass als vermisst zu melden. Dann würden wir höchstwahrscheinlich zurück bis nach Hanoi zur Botschaft reisen müssen. Zum Glück organisierte der Reiseleiter einen Bus, der uns schonmal nach Saigon bringen sollte.
Als wir am nächsten morgen aufwachten und aus dem Hotel auscheckten, bekamen wir Stephans Pass von der Rezeption zurück. Doch nun fehlte Alexanders Pass. Wir hatten am Tag zuvor doch morgens im verkaterten Zustand tatsächlich die Pässe vertauscht als wir in Saigon auscheckten und nun hatte Stephan Alexanders Pass verloren. Das machte alles nicht unkomplizierter. Zum Glück gab es in Saigon ein Konsulat und Stephan hat (am Ostersonntag) eine Polizeiwache gefunden, die gegen genug Bestechungsgeld auch tatsächlich ein Formular ausstellte, welches belegte das der Pass verloren wurde.
Wir sahen die Sache positiv. Von der Langweiligen Tour entkommen, Pass würden wir neu beantragen können und am nächsten morgen schon weiterfliegen können, also hatten wir nichtmal einen Tag verloren. Und die möglichkeiten schienen sich sogar noch zu verbessern: Warum nicht in Saigon ständig Minispiele mit Punktesystem spielen und der Sieger dürfte am nächsten Tag die Stadt aussuchen in die wir mit frischem Pass von Saigon aus fliegen würden. Laos, Kambodscha, Thailand? Hongkong? Alles schien möglich.
So steigen wir dann in neuer Aufbruchstimmung in das Boot, das uns zum Bus nach Saigon zurückfuhr.

Am Bus angekommen dachten wir: Hmmm, die unklimatisierte Schrottmühle kannten wir doch. Wie lustig, is ja derselbe Bus der uns auch her gefahren hat! Lass doch wieder auf die Rückbank setzen! Oh, was ist denn da zwischen die Polster gerutscht? Alexander Ohms Reisepass. Freude. Der Bus fährt an. Zweifel. Eine Entscheidung ist gefordert.
Wir ließen den Bus anhalten und konnten die Tour sogar noch fortsetzen, sodass wir tatsächlich noch im Boot saßen, das uns zu der Grenze bringen sollte. Tierisch viel Stress (Zumindest für Alex und Stephan), aber immerhin hat uns diese Story vor einem Tag Touri-Tour gerettet. Und morgen wären wir schon in Phnom Pen. Wäre da nicht noch ein kleines Problem: Die Grenze
stelle des Vietnams befand sich auf einer Art Riesen-Hausboot mitten auf dem Mekong und im Umkreis von ca 2std gab es keinen VIsaautomaten. Das wir nur ca 25 der 85 Dollar, die für ein Visum vonnöten waren mithatten, bemerkten wir erst sehr viel später...
Nachdem uns die Sonne schon 3 Stunden lang den Kopf zermatert hat (tatsächlich war es verglichen zu den Philippinen nochmal ein Stück heißer, mag am kontinentaleren Klima liegen), bemerkten wir auf unserem boot, dass sich jeder auf den nächsten verlassen hat was das Geld fürs Visa anging, oder zumindest auf einen Visa-Automaten in Grenznähe. So mussten wir dann tatsächlich jeden mitreisenden um ein paar Dollar anbetteln, was zum Glück funktionierte, denn wir konnten ja am gemeinsamen Ziel Phnom Pen problemlos abheben. So passierten wir die Grenze und waren am zweiten Reiseabschnitt, Kambodscha.

Lustigerweise funktionierten dort aber an sämtlichen Automaten meine Karten nicht. Natoll. Warum auch immer ich die philippinische BPI-Maestro-Card mitgenommen habe weiß ich nicht mehr, aber dort rettete sie mich. Ich frage mich nur, was die DED-Leute gedacht haben, die mein Konto überwachen, wenn auf einmal ein großer Betrag von Kambodscha aus abgehoben wurde. Nunja zumindest fanden wir auch in Phnom Pen wieder eine klasse Pension für wenig Geld und konnten uns die nächsten Tage ganz auf diese Stadt konzentrieren, die neben dem mächtigen Mekong auch architektonische Highlights wie den Palast des Königs (die Khmer-Baukunst hat mich sehr beeindruckt) und natürlich geschichtsträchtige Orte wie die Killing Fields zu bieten hat. Diese Aspekte ergänzen mein Leben auf den Philippinen doch sehr gut, von Architektur und Geschichte hört man hier nicht so viel ;)
Ausserdem konnten die Leute besser Englisch sprechen als noch im Vietnam und obwohl die Schriftzeichen noch unleserlicher wahren,...

...so konnte man doch zumindest wieder Satzteile und Wörter ausmachen im Gegensatz zum singsang des Vietnamesischen. Khmer ("kambodschanisch") ist tatsächlich durch malayische Einflüsse viel näher an den philippinischen Sprachen als das chinesisch beeinflusste vietnamesisch. Nur durch die Schriftzeichen, welche ein Franzose erfand wirkt das Vietnamesische weniger fremd. Doch diese richtig auszusprechen ist für anfänger quasi unmöglich (besonders wenn man ein wörterbuch mit amerikanischer lautschrift hat^^).
Wenn man nur für eine so kurze Zeit durch die Länder reist wie wir das taten (3wochen für 3 Länder), sind sprachliche Barrieren besonders bitter. Um ein Land wie den Vietnam kennen zu lernen, ist es unablässlich denke ich, die Sprache vorher etwas zu erlernen und dann zumindest für 3Monate zu reisen, um die Ecken des Landes die nicht an Touristenachsen liegen zu entdecken. Vor unserer Reise war uns bewusst, dass wir die Länder nicht kennen lernen können in dieser Zeit und was ich hier schreibe ist alles nur ein erster Eindruck, von dem ich weiß, dass er sicherlich nicht repräsentativ ist und an einigen Ecken mit Sicherheit falsch. Doch um in ein Land einmal einen kleinen Einblick zu bekommen, um zu wissen ob sich eine längere Reise aufdrängt oder nicht, waren diese 3 Wochen optimal.
Doch zurück zum Thema:
Wir hatten uns natürlich vorgenommen in Kambodscha zumindest noch Angkor für 2-3 Tage anzusehen (allein dafür bräuchte man eigentlich eine Woche) und ansonsten in Phnom Pen zu bleiben, solange es uns gefällt. Den Gedanken dort mit Motorrädern hinzufahren verwarfen wir mangels Angebot und stiegen darauf um, Angkor per Rad zu erkunden, auf unserem Weg nach Thailand. Doch davor standen uns noch die Tage in der Hauptstadt bevor, welche wir tagsüber für Kultur/Geschichts-Exkursionen nutzen und Abends dann das reichhaltige Club und Bar-Angebot erleben wollten. So fuhren wir dann auch gleich nach einem Orientierungstag auf die Killing Fields ausserhalb Phnom Pens. Dies ist der Ort, an dem die roten Khmer in den 70ern zehntausende Menschen umbrachten, bei ihren ideologischen Säuberungen. Dieser Autogenozid richtete sich gegen das eigene VOlk, besonders die Intelektuelle Elite. Die kommunistische Bewegung der Khmer Rouge tötete dabei nicht einfach nur jeden, der im Verdacht war, der "Bourgeoisie" anzugehören (wozu es teils reichte lesen und schreiben zu können), sondern auch dessen Frau und Kinder. Das Prinzip: Jeder, dessen Vater getötet wird, wird sich rächen wollen. Präventative Tötung.
Heute sieht man an über 80 Stellen im Land Türme (teils aus Glas) in denen die Knochen der Opfer ausgestellt werden.

Wir reisten also vom sozialistischen Vietnam direkt ins Nachbarland, wo die Kommunistische Regierung gestürzt wurde und ein negative Haltung gegenüber dieser Staatsform dominiert. Von direkten Unterschieden zu berichten wäre falsch, man konnte welche in verschiedene Gegebenheiten interpretieren (zB Nachtruhezeiten und allgemeine Ordnung, Uniformen und Formulierungen öffentlicher Schriften), doch im großen und ganzen sieht eine kapitalistisch geprägte Großstadt in den Geschäfts und Touristen-Zentren immer gleich aus, nur die Fahnen die wehen sind andere.
Aber als Monarchie hat man natürlich einen hübschen Palast und diesen Ort suchten wir am folgetag auf. Mitten in der Innenstadt gelegen, erstrecken sich die Palastanlagen über iene große Fläche längs des Mekongs. Eine unglaubliche Ruhe und Erhabenheit strahlt von den goldenen Dächern der Hallen und gespickt von Mönchen und Buddha / Statuen ist es ein herrliches Erlebnis dort zu wandern. Nur blöd ist, wenn man heruasgeschickt wird, weil der König nach Hause kommt. Wir wollten ihn noch auf ein Bier einladen, aber der Guard meinte, ein andermal vielleicht^^

Eine besonders angenehme Erfahrung waren auch die Khmer-Massagen. Es gibt in Phnom Pen riesige Tempel, größer als Flugzeughangars, in denen überdimensionierte Dancefloors und Bars sind und es Zimmer gibt die per Stunde bezahlt werden. Dementsprechend auch das weibliche Stammpublikum. Doch positiv: Angrenzende Spa-Bereiche mit Dampfbädern, Saunen, Whirlpools und Massagen für insgesamt 9Dollar. Fairer Preis dachten sich Stephan und ich und fanden so doch noch unser moralisch vertretbares Amusement in einem dieser Läden. Für die nächsten Nächte suchten wir uns allerdings doch eher kleinere Läden wo man sehen konnte, das sie nicht noch angrenzende Zimmer hatten. Und nach 3 Tagen Phnom Pen brachen wir dann auf nach Siem Riep, die Stadt die nahe am Machtzentrum Indochinas vor 1000 Jahren liegt, Angkor.